
Heute ist die zweite Ausgabe der Zeitlosschrift mit dem Titel ‘Propaganda Due’ herausgekommen. Für diejenigen von euch, die noch nichts von ihr gehört haben: die Zeitlosschrift ist das Produkt der Zusammenarbeit des Berliner Fotografen-Duos Max Paul und Jan Au und des Hamburgers Rick Reuther, der seine Texte und Gedichte beisteuert. Gastautoren sind diesmal Timo Schmitt, Paul Spar und Bryan Kessler, Gastfotografen sind Walter Pfeiffer, Brett Lloyd, Theresa Martinat und Nils Dunkel.
Nachdem die Auflage der ersten Ausgabe ausverkauft war, wurde die zweite Ausgabe schon freudig erwartet und zudem wurde, ebenfalls zum 01.Februar, die Auflage der ersten Ausgabe erweitert.
Ich habe Max Paul zu der neuen Veröffentlichung befragt:
Was hat sich seit der ersten Ausgabe der Zeitlosschrift geändert? Wie habt ihr euch/eure Veröffentlichung sich weiterentwickelt?
Wir sind vielleicht erwachsener geworden… Im gleichen Maße wie wir drei uns verändern, unsere Persönlichkeiten sind ja auch ständigem Wandel unterworfen, verändert sich auch die Schrift.
Was einem rein visuell auffällt ist, dass weniger Menschen zu sehen sind.
Habt ihr bewusst weniger Menschen fotografiert und damit ein bestimmtes Ziel verfolgt, ein Thema vielleicht, oder ist das einfach Produkt eurer Weiterentwicklung?
Wahrscheinlich ist das eher ein Produkt unserer “Weiterentwicklung”, obwohl dies vielleicht nicht das richtige Wort ist.
Jeder Mensch ist ständigem Wandel unterworfen. Und die Zeitlosschrift ist immer ein Impuls.
Also habt ihr euch einfach aus Interesse und Begeisterung industrielleren Motiven zugewandt?
Ich würde sagen, das geschah instuitiv.
Wir hatten nicht die Absicht nur das “Industrielle” zu zeigen. Es ist in gewisser Weise ein Spiegel unsere Gefühle und Gedanken
Inwiefern passen Ricks Texte dazu? Lässt sich ein Zusammenhang erschließen? Ist der Wandel in ihm ähnlich abgelaufen?
Sicherlich. Wir drei machen das ja auch zusammen. Wir sind uns ähnlich und dieser Prozess fand in uns allen statt, obwohl man auch sagen kann, dass es sich bei Rick, obwohl es den gleichen Grund hat, anders äußert. Das Ergebnis ist gleich, der Weg ist nur anders.
Kann man einen direkten Zusammenhang zwischen Fotos und Texten feststellen oder existieren beide mehr nebeneinander?
Beides. Sicherlich bestehen Bezüge zwischen den Bildern und den Texten die neben, hinter und in egal welcher Art angeordnet sind.
Aber beide sind auch solitär zu sehen. Die Fotos sollen nicht erst durch den Text und die Texte nicht erst durch die Fotos wirken.
Im Grunde ist es wie bei der unsichtbaren LP der tödlichen Doris
Haha, sehr schön! Wo kann man die Zeitlossschrift #2 denn bestellen?
Einfach per E-Mail an buyzeitlosschrift@live.de. Sie kostet immernoch 10€!
Und in welchen Läden gibt es sie zu erstehen?
In den Berliner Läden ‘Do You Read Me ?!’ und ‘Buchhandlung Walther König’ am James Simon Park, in Hamburg bei ‘Boys Boys Boys’ und auch bald in Wien bei ‘Wood Wood’.
OK, ich glaube wir habens. Ich danke dir, Max!
Ich habe zu danken!
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Vorab könnt ihr hier schonmal einen Auszug aus der neuen Zeitlosschrift lesen:
Sterlingrad 1 in Prosa
Blind von dem ganzen Stolz um einen herum, geblendet und gewürgt, aber es ist so und es wird so immer bleiben, die Scheiben am Horizont verraten uns das All, (man konnte aus der (nicht-) Ordnung ihres Desktops viel darüber erfahren) wir sprinten also durch die träge Masse und ziehen uns schwarze Plastikbeutel über den Hirnrand, wieso auch nicht, wo ist da das Problem? Ja, wo ist da das Problem…
Das Problem liegt einzig und allein darin, das wir auf dem Weg hierher schon wieder viel zu viel verloren haben, Wichtigkeiten, Behäbiges, Kontakte. Alles ist hier doch verwünschenswert, böse, nur böse. Eine Stahlkraft geht durch unsere Leiber, und wir sehen einfach nur zu, wie der Mond untergeht, und wir wissen nichteinmal ob er wie Gold oder ausgekotzt scheint. Unsere Kleider hängen frisch aufgebügelt auf den dazu vorgesehenen Mamor-Transportern. Alles scheint bodenlos, nur Mutters Teppich schlägt sich hinter uns noch in die Bahn.
(Alte Menschen kratzen sich selbst vom Bordstein oder suchen Plätzchen), aber wir dürfen nicht mit ihnen reden, ihre Gesänge sind Gift, wenn uns ihr morbider Speichel trifft sind wir für immer verloren.
“Ja, wir wollen ja auch verloren gehen!” und dann reiß alles auseinander, lass alles gefährlich werden. (Ihre übertönten Hairspray Haare tragen wohl gerade den Hass zur Schule) Dann wird auch alles ehrlich werden. Wenigstens. Wenigstens das wunde Schlachten. Oder ein Sekretär werden und die Basis suchen, die Basis nach Glück, die Basis nach Schock, die Basis, sie ersteigen und ersteigern, und die Freiheitsstatue hält dann sinngemäß Werbeprodukte in der Hand. Ein Ausmaß, was uns dann nicht mehr erschrecken muss. Wir drehen dann unsere Runde um sie , tanzen um sie, wie damals die Eingeborenen. Es wird Feuerwerkskörper geben, bestimmt. und wenn Schluss sein soll, ist auch Schluss. Die schienbeinartigen Köpfe werden pflichtgemäß hochgerichtet. die Schleimhäute durchsucht. Das blanke Kotzen und Knabbern, frisch serviert vor deinem Fernseher, ”wir werden alle untergehen!” – nein, werden wir nicht. Denn es ist genug da für uns alle, wir werden selbst Werkstoff und Reserve, verarbeiten uns, und werden dann schließlich sogar alle wirklich schön. Deshalb gibt es keinen Grund in deiner Frage.
Tags: Jan Au, Max Paul, Propaganda Due, Rick Reuther, Zeitlossschrift
Kategorie: Interviews


Sehr geile Sache!